Kooperation mit Museum und Gymnasium

Inklusives Kunstprojekt „Selfmade“:

 

Eine Zusammenarbeit des Gymnasium Johanneum, Wadersloh und der

Don-Bosco Förderschule geistige Entwicklung, Lippstadt

 

Konzeption des inklusiven Kunstprojektes „Selfmade“ als Street Art

Projekt zum Thema „Grenzenlos“

 

1. Entwicklung des Projektes

Das Kunstprojekt „Selfmade“ war bereits das dritte gemeinsame Projekt, an dem jeweils eine Schülergruppe der Berufspraxisstufe der Don-Bosco-Schule und eine Schülergruppe der Q 1 des Gymnasiums Johanneum teilgenommen haben. Initiiert worden ist das erste Projekt vom Museum Abtei Liesborn, welches an der Durchführung des ersten Projektes als dritter Projektpartner aktiv beteiligt war. Ab dem Schuljahr 2016/17 wird das Projekt ausschließlich von Lehrpersonen der Don-Bosco-Schule und des Johanneums vorbereitet. Das Museum stellt bei Bedarf Räumlichkeiten zur Verfügung.

Die beiden Vorgängerprojekte waren „Selfie trifft Porträt“ im Schuljahr 2015/16 und „Myself(ie)“ im Schuljahr 2016/17. An beiden Projekten nahmen jeweils 15 Schüler teil. Die Projekte beschäftigten sich thematisch mit der eigenen Persönlichkeit und ihren vielfältigen – nicht nur künstlerischen - Ausdrucksformen. Die Gestaltungsformen, in diesem Schuljahr Street Art, richten sich nach den Interessen der Schülerschaft unter Berücksichtigung der Möglichkeiten einer praktischen Umsetzung.

Damit möglichst viele interessierte Schüler an dem Projekt teilnehmen können, ist ein jährlicher Wechsel der Schülerschaft vorgesehen. Ein Schüler der Don-Bosco-Schule hat aus pädagogischen Gründen an beiden Projekten teilgenommen. Für das aktuelle Projekt hatten sich acht Schüler_innen der Berufspraxisstufe der Don-Bosco-Schule und zwölf Schüler_innen des Kunstleistungskurses der Q 1 angemeldet.

Neben den Räumlichkeiten und Möglichkeiten, die beide Schulen zur Verfügung haben, werden in jedem Projekt auch außerschulische Räume genutzt und Partner beteiligt. Dieses ermöglicht allen Schüler_innen gleichermaßen neue Eindrücke und neue Lernerfahrungen. Für dieses Projekt stellte ein landwirtschaftliches Unternehmen in der Region eine Lagerhalle zur Verfügung, in der die großformatigen Street Art Arbeiten gesprüht werden konnten.

 

2. Ziel des inklusiven Projektes „Selfmade“

Das übergeordnete Ziel des Projektes war für die einzelne Schülerin/den einzelnen Schüler

eine Stärkung der eigenen Persönlichkeit und Erweiterung ihrer/seiner sozialen

Kompetenz verbunden mit dem Erwerb einer größeren Selbstsicherheit und

Toleranz im Umgang mit unbekannten Menschen und Situationen durch die

praxisorientierte Interaktion miteinander.

In zweiter Linie ging es um das gemeinschaftliche Entwerfen und Umsetzen eines gemeinsamen Kunstwerkes, welches die Verbundenheit der Schüler, der Schulen und unsere Verbundenheit zu anderen Menschen im europäischen Kontext künstlerisch anschaulich darstellen solle: Im Sinne der Street Art sollten großformatige Kunstwerke in Gruppenarbeiten gestaltet werden, die am Johanneum und an der Don-Bosco-Schule angebracht werden sollen.

 

3. Konzeption des Projektes „Selfmade“

Wie auch die Vorgängerprojekte war auch „Selfmade“ als inklusives Projekt geplant, das bedeutete: Begegnung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Schülerinnen und Schüler sollten unabhängig von ihrer jeweiligen Schulform voneinander lernen, miteinander umgehen und gemeinsam etwas gestalten. Damit dieses Miteinander gelingen konnte, waren die Arbeiten so ausgewählt, dass alle Schüler gleichrangig miteinander arbeiten konnten, gleiche Mittel und Hilfen bekamen und gleiches Mitspracherecht hatten.

So sollten die Schüler des Johanneums lernen, unbefangen mit Schülern mit Einschränkungen umzugehen. Sie sollten vom defizitorientierten Blick auf Menschen mit Einschränkungen, die in der Konsequenz viele Hilfen benötigen, zu einem Blick wechseln, der die Möglichkeiten und Stärken betrachtet, die Menschen mit Einschränkungen haben. Durch Kommunikation und Zusammenarbeit sollten die Schüler der Don-Bosco-Schule aufgefordert werden, ihre Talente und Stärken zu zeigen.

Die Schüler der Don-Bosco-Schule sollten lernen, unbefangen mit anderen, fremden Jugendlichen zu reden. Oft bleibt diese Schülerschaft unter sich oder im geschützte Rahmen von Familie oder organisierter Freizeit. Hier sollten sie lernen, mit anderen Jugendlichen zu kommunizieren, ihre Meinung zu vertreten und sich im Rahmen ihrerMöglichkeiten aktiv einzubringen.

Beide Schülergruppen wurden ermutigt, gegenseitig Fragen zu stellen, Unsicherheiten zu thematisieren und so Missverständnisse aktiv auszuräumen.

 

3.1. Unterstützende methodische Maßnahmen

Die Gesamtgruppe hat sich an wechselnden Orten, den beiden Schulen und einem Atelierraum, d.h. in einer Halle, getroffen. Somit war jede Schülergruppe mindestens einmal mit einer vertrauten und mehrfach mit einer fremden Umgebung konfrontiert, in der es sich einzufinden galt.

Nach der Vorstellung einiger Street Art Werke und der damit verbundenen Techniken sowie einer Phase des Kennenlernens gingen die Schüler schulformübergreifend in Kleingruppe der praktischen Arbeit nach, das schloss auch den planerischen Teil der Arbeit ein. Innerhalb der Kleingruppe brauchten sich die Schüler nur auf wenige Personen einzustellen.

Der Vorteil der Arbeit in Kleingruppen lag darin, dass eine intensivere Kommunikation und Zusammenarbeit möglich war als in der Gesamtgruppe. Jeder Schüler wurde aufgefordert sich einzubringen und konnte sich innerhalb der Kleingruppe nur schwer hinter anderen „verstecken“. In dieser Arbeitsphase hatten die Lehrpersonen eine zurückhaltende, beobachtende Aufgabe, standen aber für inhaltliche Fragen jederzeit zur Verfügung. Erst nachdem die Schüler sich innerhalb der Kleingruppen näher kennengelernt und gearbeitet hatten, wurde die Arbeit in größeren Gruppen angeboten. Die Schüler kannten nun ihre Stärken und konnten nach Absprache ihren Teil zur Gesamtarbeit beitragen. Dieser Prozess wurde von den begleitenden Lehrern - wenn nötig - aktiv unterstützt.

Die praktischen Arbeiten wurden im Sinne der Street Art gestaltet und mit deren Mitteln und Methoden umgesetzt. Beiden Schülergruppen war diese Arbeitsweise fremd, so dass beide gleiche Voraussetzungen hatten. Unterstützend waren Symbole der Schulen sowie Symbole für Verbundenheit den Kleingruppen an die Hand gegeben worden, als es darum ging, den Vorentwurf für das „große“ Kunstwerk zu gestalten. Nach der Arbeit in der Kleingruppe wurde im Plenum der Entwurf für das „große“ Kunstwerk erstellt. Fachliche Hilfe erhielten die Schülerinnen und Schüler ggf. von der betreuenden Kunstlehrerin.

 

3.2. Ablauf des Projektes „Selfmade“

1. Treffen, Johanneum: Donnerstag, 30.11.2017, 12 Uhr bis 15.30 Uhr: Kennenlernen des Johanneums, insbesondere der Kunsträume; Thematische Arbeit: Was ist Street Art? -

Präsentation einzelner Street Art Werke und Vorstellung möglicher künstlerischer Arbeitsformen; Kleingruppenarbeit nach Arbeitsaufträgen: 1. Fotodokumentation von Street Art Werken aus dem Lebensraum der Schüler (bis zum nächsten Treffen) – 2. Ideensammlung für einen Entwurf; Erstellung erster Skizzen

2. Treffen, Johanneum: Mittwoch, 20.12.2017, 10 Uhr bis 11.45 Uhr im Rahmen des Kunst LKs Q1

(Doppelstunde): Weiterarbeit an den Entwürfen und Vorstellung der Ideenkonzepte

3. Treffen: Dienstag, 9.1.2018 (ganztägiger Projekttag), Syngenta: Praktische Umsetzung der Street Art Kunstwerke in der Halle von Syngenta

4. Treffen: Donnerstag, 11.1.2018 (Projekttag), Johanneum: Fortführung der Arbeiten

5. Treffen: Montag, 15.1.2018, 10 Uhr bis 11.45 Uhr im Rahmen des Kunst LKs Q1:

Kurze schriftliche Erläuterung der einzelnen Arbeiten; Erstellen der Wandzeitung

(Fotodokumentation) mit von den Schülern fotografierten Street Art Werken

19.1.2018, Museum Abtei Liesborn: Beteiligung der Öffentlichkeit: Ausstellungseröffnung der Street Art Werke im Abtei Museum in Wadersloh-Liesborn (Präsentation vom 19.1.-21.1.2018)

25.4.2018, Don-Bosco-Schule: Kennenlernen der Schule, Arbeiten in der Holzwerkstatt der Don-Bosco-Schule: Erstellen von Sperrholzarbeiten;  

 

4. Ausblicke

Das Aufhängen der Kunstwerke an beiden Schulen sollte, so der Wunsch des Johanneums, mit der Besiegelung einer Schulpartnerschaft verbunden werden. Auch zukünftig soll das Kunstprojekt in dieser bzw. ähnlicher Konzeption fest in der Planung der Schulen verankert werden. Die Länge der zeitlichen Durchführung, die Häufigkeit und die Anzahl der Treffen kann - wie bisher - von Schuljahr zu Schuljahr variieren, um den speziellen Herausforderungen des aktuellen Schuljahres für beide Schulen gerecht zu werden. Darüber hinaus gibt es Anfragen seitens der Schulleitung und eines Sportlehrers des Johanneums eine ähnliche Zusammenarbeit im sportlichen Bereich anzustoßen, vorgeschlagen wurde Basketball. Denkbar wäre auch die Sportart Fußball. Oder aber eine andere oder neue sportliche Disziplin……

Diese Partnerschaft beider Schulen bringt für unsere Schülerschaft neue Herausforderungen, an denen sie, so die Beobachtung der vergangenen beiden Jahre, sehr gewachsen sind. Die Schüler der Don-Bosco-Schule und auch die Schüler des Johanneums haben beide Projekte schriftlich evaluiert und sich durchweg positiv zur Zusammenarbeit beider Schulformen geäußert. Aus unserer Sicht ist diese Zusammenarbeit ein Beitrag zu einer inklusiven Zukunft.

 (Die gemeinsame Arbeit wurde von den Schülern als gute, grenzüberschreitende Erfahrung bewertet. Dieses geht unter anderem aus der Bewertung ihrer Arbeit von Lisa, Philipp, Lena, Marc und Emma hervor, wenn sie schreiben: „Mit unserem gemeinsam gestalteten Bild wollen wir ausdrücken, dass man gemeinsam alles schaffen kann und so auch Grenzen überwunden werden können, wie bei unserer Gruppe.“)

 

5. Öffentlichkeitsarbeit

Im Verlauf der Projektdurchführung hat die lokale Presse über das Projekt berichtet.

Darüber gab es die Teilnahme an zwei Schulwettbewerben. Dabei errang das Projekt im Schülerwettbewerb „Begegnung mit Osteuropa“ den Landessieg, im europäischen Wettbewerb erreichte eine Teilgruppe eine Platzierung auf Landesebene.

 

6. Die Projektteilnehmer des Schuljahrs 2017/2018

Schüler der Don-Bosco-Schule:

Philipp, Marcel, Mike, Ali, Marc, Carmen, Justin, Marvin

Schüler des Johanneums:

Linn, Feline, Linda, Leonie, Felix, Xenia, Hannah, Marie, Lisa, Miriam, Emma, Lena, Christina

 

7. Die Verantwortlichen für das Projekt „Selfmade“

 

Frau Sandra Hampel, Kunstlehrerin am Gymnasium Johanneum

Frau Stefanie Hofmann, Sonderschullehrerin an der Don-Bosco-Schule

Frau Elisabeth Trebbau, Sonderschullehrerin an der Don-Bosco-Schule

Begleitet wurde das Projekt zusätzlich von Frau Regina Keller, Kunst-Referendarin des Johanneums

Finanzielle Unterstützung gab es durch den Verein „Freunde des Museums Abtei Liesborn“,

Vorsitzender Herr Winfried Leitung (Konrektor des Gymnasium Johanneums) und durch das Johanneum Wadersloh durch Kostenübernahme diverser Materialien wie Acrylfarben, Pinsel, Atemmasken, Schutzanzüge sowie durch den Förderverein der Don-Bosco-Schule durch die Zusage der Spritkosten für die Benutzung des Schulbullis.